Sachversicherungen besser verstehen

  • 0
Sachversicherung

Sachversicherungen besser verstehen

Category : Sachversicherungen

Nicht nur der Versicherungsmarkt als solches ist kaum zu überblicken, auch die Produkte selbst sind oftmals schwer zu verstehen.
Aus diesem Grund möchten wir mit einer Artikelreihe zumindest die gängigsten Sachversicherungen so vorstellen, das sie für Kunden besser verstanden werden können.

Unser erster Artikel wird sich zunächst mit dem grundsätzlichen Aufbau der typischen Sachversicherungsprodukte beschäftigen und dessen Produktstruktur erklären.
In weiteren Artikeln werden wir dann auf die einzelnen Sachversicherungen näher eingehen.

Das Produkt Sachversicherung

Die Struktur

Im Prinzip lassen sich sämtliche Sachversicherung relativ einfach in drei Bereiche strukturieren.
Zum einen werden die Hauptdeckungen genannt, die man auch auf fast jeder Versicherungspolice und jedem Angebot gleich auf der ersten Seite findet, dann gibt es die sogenannten Zusatzdeckungen, die meist auf den Folgeseiten genannt werden und schließlich die Bedingungen, die Begriffsbestimmungen, Verhaltensregeln und Abwicklungsregelungen enthalten.

Während die Hauptdeckungen quasi die Hauptaufgabe der Versicherung repräsentieren, sind die Zusatzdeckungen die Extras des Produktes.

Mit dieser Struktur im Hinterkopf lassen sich die Sachversicherungen eigentlich relativ schnell überschauen.

Einfach und doch kompliziert

Was die Sache jedoch im weiteren Verlauf trotzdem schwierig macht ist die Frage, welche „Extras“ (Zusatzdeckungen) benötige ich ?
Auch im Vergleich zweier Angebote, die sich in den Zusatzdeckungen teilweise unterscheiden, stellen uns vor die Frage.

Ähnlich wie bei den Extras beim Autokauf ergeben sich auch hier zwei Probleme :

– Fachbezeichnungen mit denen man selbst zunächst nichts anfangen kann.( z.B. GAP-Deckung….was soll das sein ?)

– die Notwendigkeit einzelner Zusatzdeckungen/extras.

Die Frage der Notwendigkeit ist dabei leider immer eine heikle Frage, da sich die Notwendigkeit erst mit dem eingetretenen Schaden ergibt und sich dann die Frage eigentlich nicht mehr stellt, sondern vielmehr die Deckung geradezu erwünscht ist.
Dies ist auch ein grundsätzliches Problem bei den Sachversicherungen.
Keiner möchte gern die Versicherung in Anspruch nehmen, da keiner gern einen Schaden erleidet.
Da die Sachversicherungsprämien jedoch sogenannte Risikoprämien sind und nicht zurückgezahlt werden, wollen Kunden deshalb
auch so wenig wie möglich dafür bezahlen und vergleichen eher die Prämie als das Deckungskonzept.
So sehr es auch menschlich verständlich ist, so ist es doch der falsche Ansatz.

Zum Glück muss der Kunde bei den Zusatzdeckungen keine aufwendigen Entscheidungen im Detail treffen wie beim Autokauf, denn die Produkte der Versicherungen lassen Änderungen im Deckungskonzept (Zusatzdeckungen) nicht zu.

Trotzdem müsste beim Vergleich zweier Sachversicherungsangebote, die sich im Deckungskonzept unterscheiden, eine Wahl getroffen werden.

Unser Tipp :
Das sog. Deckungskonzept spiegelt die Summe an Schadenserfahrungen der Versicherungsbranche wieder, deshalb sollten Sie die Zusatzdeckungen schon genau betrachten.
Sachversicherungsprodukte werden immer standartisiert und enthalten somit Zusatzdeckungen, die tatsächlich event. für Sie selbst nie in Frage kommen.

Die versicherten Gefahren

Während die Produktbezeichnungen als solches geläufig sind und die Vorstellung, wann welches Produkt in Frage kommt, noch relativ klar ist, wird es schon deutlich schwieriger bei der Festlegung der Versicherungssumme und fast eine Art Ratlosigkeit kommt auf, wenn man sich konkret fragt wogegen denn nun genau versichert wurde.

Beispiel Hausratversicherung :Feuer - Kerze
Jeder kennt die „Hausratversicherung“ und auch jeder weiß, das eine Hausratversicherung erst mit der Gründung eines eigenen Hausstandes in Frage kommt, doch was genau wird hier versichert ?
Ja….wir haben dann auch schon mal gehört oder gelesen, dass da  steht gegen Feuer, Leitungswasser, Sturm etc., doch trotzdem was heißt das genau ?

Dieses Thema werden wir in unsern späteren Artikeln noch genauer durchleuchten doch trotzdem hier ein kurzes Beispiel für
die Gefahr Feuer :

Die Gefahr Feuer ist in den Bedingungen der Versicherung geregelt, dort heißt es: „eine bestimmungswidrige, offene, sich selbständig fortpflanzende Flamme“.

Wenn wir z.B. eine Kerze haben die umgekippt ist und die Servierten angekokelt hat, sieht es versicherungstechnisch gemäß den Bedinungen wie folgt aus :

  1. die Flamme der Kerze ist zwar eine offene Flamme, aber die Flamme ist bestimmungsgemäß und nicht bestimmungswidrig, denn eine Kerze soll ja schließlich brennen.
  2. sich selbständig fortpflanzen tut die Flamme an der Kerze auch nicht und an den Servierten ist keine Flamme entstanden da sie nur angekokelt wurden.

Hier würde also keine Schadenregulierung stattfinden… es sei denn, an den Servierten selbst wäre eine Flamme entstanden.
Nun ja….der Schaden an den Servierten kann man ja noch verschmerzen, tragischer wird es da dann schon, wenn der Tisch sich durch die Hitze braun verfärbt hat.

Das Zusammenspiel von versicherter Gefahr, Bedingungen und Zusatzdeckungen

Hier zeigt sich das komplizierte Zusammenspiel zwischen versicherter Gefahr, Bedingungen und den Zusatzdeckungen denn :

  1. hat tatsächlich die versicherte Gefahr Feuer vorgelegen ? = Hauptdeckung versicherte Gefahr…
  2. Die Definition Feuer ist wiederum in den Bedingungen geregelt
  3. War es dann doch kein Feuer sondern „nur“ ein Sengschaden, dann ist entscheidend, ob Sengschäden in den Zusatzdeckungen als versichert gelten.

Noch komplizierter wird es, wenn die Schadenshöhe so hoch ist, dass ein Schadenregulierer eingesetzt wird. Dann wird zusätzlich auch noch geprüft, ob event. eine Unterversicherung vorliegt und somit käme dann auch die Versicherungssumme (Hauptdeckung) zum tragen.
Und um es noch komplizierter zu machen, wäre event. auch noch die Versicherungssumme einer Zusatzdeckung zu prüfen, wenn für den eingetretenen Schaden keine der versicherten Hauptdeckungen zum tragen kommen.

Die Versicherungssumme

Zur Versicherungssumme werden wir in unserer Artikelserie „Sachversicherungen besser verstehen“ noch produktspezifisch eingehen, aber hier trotzdem noch ein paar grundsätzliche wichtige Hinweise :

  • oft sind wir im Rahmen der Hausratversicherung gebeten worden vorbei zu kommen, um den Hausrat wegen der Versicherungssumme in Augenschein zu nehmen. Dies macht leider keinen Sinn, da Ihr Versicherungsvertreter kein Spezialist und Gutachter ist, der Ihre ganzen Möbel, Kleidung, Schmuck und Wertgegenstände bewerten kann.
  • Aus diesem Grund haben die Versicherungen auch sog. Mindestversicherungssummen pro m² eingeführt (ca. 650 € pro m²) um zumindest für Schäden bis zur Versicherungssumme dann einen Verzicht auf Unterversicherungsprüfung auszusprechen.
  • Das Risiko,  ob die Versicherungssumme insgesamt ausreichend ist,  trägt der Kunde allein.

Beste Grüße
Ihr Finanzfavorit Team

 


hinterlasse einen Kommentar